Freitag, 6. Dezember 2013

Eine Geschichte zum Nikolaus

Herr Oter  hat einen sehr interessanten Blog
Und in diesem habe ich eine ganz wunderbare Geschichte entdeckt,
 die Herr Oter  geschrieben hat.
Diese Geschichte passt perfekt zum heutigen Nikolaus-Tag.
Und Herr Oter hat mir erlaubt, diese Geschichte für euch hier zu veröffentlichen.
Vielen Dank.
Macht euch einen Topf Kakao, Tee oder Kaffee, ein Plätzchen dazu und nehmt euch ein paar Minuten Zeit,
diese Geschichte zu erleben, einzutauchen in die wunderbare Welt der Phantasie !

Eine warme Decke für einen alten Esel.
Nikolaus machte sich Sorgen. 
Sein treuer, alter Esel Fridolin gefiel ihm in letzter Zeit gar nicht. Es schien, als ob sich der betagte Esel in diesem Jahr so gar nicht recht auf die kommende Adventszeit freuen wollte.
Auch liess er seinen Kopf immer öfter tief hängen – besonders, wenn er sich unbeobachtet fühlte.
Es war ja nicht so, dass sein langjähriger Mitarbeiter seine Aufgaben vernachlässigt hätte. Im Gegenteil, er war trotz seines hohen Alters noch immer sehr gewissenhaft und pflichtbewusst. Auch wenn er keine grossen Lasten mehr zu tragen hatte, dafür waren jüngere Esel da, so war Nikolaus doch auf die grosse Erfahrung dieses verdienten Mitarbeiters weiterhin angewiesen.
Seit so vielen Jahren stand Fridolin nun an seiner Seite, er kannte den Weihnachtsbetrieb, wusste auf was es ankam und genoss darum bei den jüngeren Eseln grosses Ansehen.
Trotzdem fiel Nikolaus schon seit einigen Tagen auf, dass den Esel etwas zu bedrückt schien.
Das Tagwerk für heute war getan und so füllte Nikolaus zwei Tassen mit heissem Glühwein und setzte sich zu seinem alten Freund in den Stall. Der hatte sich wieder einmal still in die hinterste Ecke verzogen, während die Jüngeren noch immer draussen übermütig waren.
„So Fridolin, schau, ich habe dir hier etwas zur Stärkung mitgebracht“, sagte Nikolaus freundlich.

Dieser nickte mit dem Kopf ohne aufzuschauen.
„Sag, mein Guter, freust du dich in diesem Jahr nicht auf die kommende Weihnachtszeit?“ fragte Nikolaus vorsichtig.
„Doch, doch“, murmelte der Esel, „ich bin nur etwas müde.“
„Ja, ich weiss, im Moment ist es bei uns wieder sehr hektisch, halt wie jedes Jahr im November, du kennst das ja.
Doch wenn es dir zu viel wird, dann gönne dir doch ruhig ein Mittagsschläfchen oder eine Pause zwischendurch. Du musst doch nicht mehr ständig bei der Arbeit helfen“.
Nikolaus tätschelte seinem alten Kumpel aufmunternd den Hals und dieser drückte seinen Kopf an dessen Mantel.
„Die Arbeit hier ist schon in Ordnung, Samiklaus“, erwidert der Esel.
Samiklaus, so nannte Fridolin seinen Chef schon immer.
„Ich mache sie noch immer gerne, für die vielen Kinder, es ist bloss....“, Fridolin liess den Kopf wieder tiefer hängen.
„Ja, was bedrückt dich denn, mein alter Freund“, fragte Nikolaus einfühlend und schlang den Arm um den Hals des treuen Gefährten um ihn auch auf der anderen Seite zu streicheln.


„Ach, es ist nichts, Samiklaus“, erwiderte der Esel störrisch. „Du hast so viel um die Ohren, da kannst du dich nicht auch noch um einen alten Esel wie mich kümmern.“
Nikolaus fuhr mit seinen beruhigenden Liebkosungen fort. Er kannte seinen alten Freund und wusste, dass er ihm etwas Zeit lassen musste.
„Aber ich komme in diesem Jahr nicht mit auf die Tour, Samiklaus“, sagte Fridolin nach einer Weile leise aber mit fester Stimme, als wäre er froh, es endlich gesagt zu haben.
Nikolaus erstarrte. „Was sagst du da, Fridolin!“ „Das geht doch nicht – ich brauche dich auf meinem Rundgang. Du musst auch nichts tragen, das weisst du doch“, sagte Nikolaus und verlor nun doch etwas seine Ruhe.
„Ja, das weiss ich schon, Nikolaus, aber ich bin alt und zu nichts mehr zu gebrauchen. Wer will schon noch etwas mit einem alten Esel wie mir zu tun haben?“
„Aber Fridolin, das stimmt doch nicht“, rief Nikolaus beinahe verzweifelt. „Du bist zwar alt, das stimmt, aber wir brauchen dich. Du hast grosse Erfahrung, du weisst wie der Karren läuft und du bist ein grossen Vorbild für die Jungen. Sie schätzen dich!“
Fridolins Rücken spannte sich und sein Kopf richtete sich beinahe auf.
Nikolaus verstärkte seine Massage und beide schwiegen für einen Moment.
„Es ist ja nicht nur das, Samiklaus“, unterbrach Fridolin dann die Stille.
„Es ist auch so, dass ich in letzter Zeit draussen immer öfter friere, jetzt wo der Winter da ist. Ich bin halt alt und da friert man eben mehr.“
Nikolaus musste lächeln. „Aha, darum bist du in letzter Zeit nicht mehr draussen. Ich dachte schon.....“
Erleichtert tätschelte Nikolaus seinen Freund auf den Hintern.
„Ja, in dem Fall, Fridolin, muss für dich eine warme Decke her“, rieft Nikolaus kurz entschlossen.
„Dann kannst du wieder nach draussen und auch mit uns auf unsere Weihnachtstour.“
Nikolaus war ganz zufrieden, dass er Fridolin auf einfache Weise helfen konnte.
„Aber, Samiklaus, wir haben gar keine Decke – und, du hast gerade erst gestern gesagt, dass du nun den letzten roten Rappen für die Weihnachtsgeschenke der Kinder ausgegeben hast.“
Nikolaus erschrak! Ja, das stimmte. Er hatte sein Budget für dieses Jahr bereits ziemlich überzogen, weil immer grössere Weihnachtswünsche der Kinder bei ihm eintrafen. Kein Kind wollte sich noch mit einer warmen Mütze, ein paar winterfesten Stiefeln, einer kleinen Eisenbahn aus Holz oder einem einfachen gestrickten „Bäbi“ zufrieden geben. Heute wurde Elektrisches und Elektronisches bei ihm bestellt oder es wurden andere teure Spielsachen von ihm erwartet.
Nikolaus strich sich bedächtig über den langen weissen Bart und er hatte tiefe Falten auf der Stirne.
Fridolin kannte diesen Anblick und es war unverkennbar, dass Nikolaus jetzt konzentriert nachdachte.
„Mach dir doch keine Sorgen, Samiklaus, es geht auch ohne eine Decke für mich. Es ist viel wichtiger, die vielen Kinder nicht zu enttäuschen. Bald kommt doch der Frühling wieder und dann wird es auch wieder wärmer.“

„Du bist ein Guter, Fridolin, du würdest sogar noch frieren, für die Kinder. Aber ich glaube, ich habe bereits eine Idee.“
Am nächsten Nachmittag stiefelte Nikolaus durch den Wald dem Städtchen entgegen. Seine Wangen waren von der Kälte gerötet und der Bart vom „Biswind“ zerzaust, als er über die schmale Brücke auf das Alterszentrum zuschritt.
Sorgsam klopfte er vor dem Eingang den Schnee von den schweren Stiefeln, bevor er durch die beiden Schiebetüren in das Altersheim eintrat. Ein wohlige Wärme schlug ihm entgegen und ein ziemliches Stimmengewirr deutete darauf hin, dass die Cafeteria voll war. Das kam ihm gerade recht.
„Haha, der Samiklaus“, riefen ein paar Frauen, die beim Eingang auf einer weichen Couch sassen.
„Hast du dich in der Zeit vertan, Samiklaus? Es ist doch erst November.“
„Du kommst viel zu früh“, sagte die eine – „der wird auch langsam alt“, witzelte eine andere.
Viele Augenpaare richteten sich nun verwundert auf den Klaus und inzwischen war es auch ziemlich still im Heim-Café geworden. Wenn der Nikolaus bereits Mitte November ins Heim kam, dann musste etwas Wichtiges vorgefallen sein.
Dieser schlug nun etwas umständlich die Kapuze zurück, hob dann freundlich die Hand zum Gruss und räusperte sich.
Mucksmäuschenstill war es nun geworden und eine spürbare Spannung lag in der Luft.
Nur ein lautes „Hicks“ hörte man zwischendurch, das war Frau Kalbermatten mit ihrem Schluckauf.
„Guten Abend, meine lieben Bewohner“, sagte der Klaus nun bedächtig mit seiner tiefen Stimme und lockerte die Spannung mit jenem freundlichen, warmherzigen Lächeln, das ihm so eigen war.
„Ja, es ist richtig, ich komme zu einer aussergewöhnlichen Zeit. Aber dafür gibt es auch einen aussergewöhnlichen Grund, denn ich brauche für einmal eure Hilfe.“
Ein Tuscheln und ein Raunen ging durch den Raum und die Verwunderung unter den Bewohnern und Besuchern des Altersheimes wurde nicht kleiner.
Nikolaus brauchte ihre Hilfe, sie wurden gebraucht?
Nikolaus räusperte sich wieder und erzählte dann vom Leiden seines alten Freundes Fridolin, seinen eigenen Geldsorgen und dass er gehört habe, dass es hier viele fleissige Hände gab, die schnell und gut stricken konnten.
„Nun habe ich mir gedacht“, sagte Nikolaus mit einem verschmitzten Lächeln, „dass ihr vielleicht Zeit und Lust habt, eine warme Decke für den armen Fridolin zu stricken.“
Nikolaus schaute in die Runde und überall sah er Köpfe nicken.
„Ja klar, das machen wir“, rief Frau Döss als erste und holte bereits ihr Strickzeug aus der Handtasche. „Zeit haben wir genug“, bemerkte Frau Korner und „genau, das schaffen wir doch noch“ tönte es aus der der Ecke von Frau Minder. Nun gab es Zustimmung von allen Seiten, währenddessen Frau Weingartner noch immer den alten Esel bemitleidete: „Frieren ist doch schrecklich, besonders für uns Alte“.
So waren sich alle rasch einig, dem armen Fridolin musste geholfen werden.
Sogar ein paar Männer boten an, auf ihre alten Tage noch stricken zu lernen, nur damit das Werk bis zum ersten Advent sicher fertig sein würde.
Nikolaus musste schmunzeln. „Ich kenne viele von Euch ja schon ziemlich lange“, sagte er daraufhin „und ich wusste, dass ihr mich nicht im Stich lassen würdet. Ich danke euch allen ganz herzlich.“
Kaum war Nikolaus gegangen, begannen die Frauen mit der Arbeit. Viel Wolle wurde gesammelt und schon bald hörte man von früh bis spät im ganzen Haus die Stricknadeln klappern. Alle die konnten beteiligten sich daran. Während die einen strickten, sorgten andere für die Unterhaltung und wieder andere sahen einfach wortlos zu. Auch die Männer halfen was sie konnten. Sie sprangen den heruntergefallenen „Wullechlüngeli“ nach, wickelten sie wieder auf und ab und zu lobte einer die fleissigen Frauenhände. Plätzchen um Plätzchen wurde gestrickt, in allen Farben und bald konnte man sie zu einer pferdegrossen Decke zusammennähen. Weil noch Wolle übrig war, wurde daraus auch eine warme Decke für die Knie vom Nikolaus gemacht. Es war eine eindrückliche, vorweihnachtliche Stimmung im Heim und man beschloss, diesen Schwung auch mit ins neue Jahr zu nehmen und wieder wie früher, viel mehr für den Bazar im Sommer und den alljährlichen Weihnachtsmarkt zu stricken und zu basteln. Denn etwas Geld konnte man doch immer gut gebrauchen – wer weiss, wann es nötig würde, wieder jemanden zu helfen.
Dann, am 6. Dezember, als das Glöcklein draussen vor der Tür erklang und der Nikolaus mit seinen Tieren vor dem Heim stand, waren alle sehr gespannt, wie gut die Decke dem Fridolin passten würde und ob sie ihn genügend wärmte.
Darum durfte Fridolin in diesem Jahr für einmal, als einziger Esel ins weihnächtlich geschmückte Heim eintreten.
Das war für Fridolin eine ganz grosse Ehre. Sein fröhliches i-ah! – i-ah! – i-ah! löste unter den glücklichen Bewohner viel Freude, Zufriedenheit und grossen Applaus aus.
® Copyright by Herr Oter November 2013


Kommentare:

  1. Das ist eine seeeehr schöne Geschichte, liebe Jutta. Vielen Dank fürs Einstellen.

    Einen gemütlichen Nikolaustag wünscht dir
    Uschi, die gerade von ihrer weißen Flauschekatze Emma gewärmt wird

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  2. Oh, das ist ja eine ganz rührende Geschichte...wo ich Esel doch so mag! Einen schönen Nikolausabend! LG Lotta.

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  3. Ach ja schön ist die Geschichte! Ich dachte dabei auch ans Älterwerden der Menschen und an die Hilfsbereitschaft.
    Schönen Nikolausabend und herzliche Grüße von MinaLina

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Danke für eure lieben Worte♥
Ich werde Kommentare unkommentiert stehe lassen, aber auf Fragen anworten.!