Reblog von Marius

 Mit Genemigung von Marius "CZOCZO" darf ich seinen Post veröffentlichen. Ich könnte es nicht besser ausdrücken !

Sachsen-Anhalt wählt AfD: Ein fatales Signal?

Seit Tagen dominieren die Wahlen in Sachsen-Anhalt die Schlagzeilen und Bildschirme der Republik. Erst kürzlich durfte ich den Spitzenkandidaten der AfD auf den sozialen Medien sozusagen kennenlernen – und plötzlich war mir das Geheimnis ihres Erfolgs schmerzlich bewusst. Gegen solche perfekten Inszenierungen wird diese Partei so schnell keine Stimmen verlieren. Es reicht eben nicht, die AfD nur zu verteufeln, wie es seit Monaten und Jahren gebetsmühlenartig geschieht. Solange die Demokraten ihre Inhalte nicht ebenso geschickt verpacken und dem charismatischen Influencer-Auftritt der AfD entgegensetzen, haben sie schlichtweg keine Chance.

Die Menschen sind es leid, von alt und zerbrechlich wirkenden Politikern regiert zu werden. Sie haben keine Lust, sich anhören zu müssen, dass sie bitteschön bis 70 oder gar 75 arbeiten und privat für die Rente vorsorgen sollen – und das von Leuten, die in den fetten Jahren der Bundesrepublik ihren eigenen Wohlstand längst in Steueroasen in Sicherheit gebracht haben. Es ist fast verständlich: Man muss sich nur ansehen, was sich die Regierung kurz vor den Wahlen noch geleistet hat. Reformen wurden angekündigt, die gefühlt nur das Schlimmste versprachen. Nein, es ist absolut nachvollziehbar, dass die Menschen genau so abgestimmt haben.

Und doch bleibt ein gewaltiges Aber.

Haben sich die Wähler eigentlich eine Sekunde lang überlegt, wem sie da ihre Stimme geben? Sind die im Osten wirklich so kurzsichtig? Haben die Menschen vergessen, wie ihre Heimat noch vor gut 30 Jahren aussah, wie sie damals regiert wurde und was sich seitdem alles verändert hat? Offensichtlich nein.

Man fordert Veränderungen, ein besseres Leben und so weiter. Dabei lebt es sich heute im Osten schon um Längen besser, als es ohne diese verflixte Wiedervereinigung jemals der Fall gewesen wäre. Ja, ich sage „verflixt“, denn sie war vielleicht das schönste Geschenk, das wir Deutschen von der Welt bekommen konnten. Ein Geschenk vor allem für die Ostdeutschen, die in den letzten drei Jahrzehnten eine neue, moderne Heimat aufgebaut bekommen haben – maßgeblich auf Kosten des Westens. Weil das die „Wessis“ haben den größten finanziellen Beitrag für die Einheit geleistet, jeden Monat sichtbar auf dem Lohnzettel. Sie haben hingenommen, wie ihre eigene Infrastruktur bröckelte, wie Schwimmbäder geschlossen wurden und Straßen verfielen. Der Westen hat das getragen, meistens mit Würde und Freude. Auch ich war glücklich zu sehen, wie der Osten Jahr für Jahr aufblühte, obwohl ich hier im Westen dafür zur Kasse gebeten wurde.

Heute, 30 Jahre später, zeigen diejenigen, denen jahrelang vieles ermöglicht wurde, was sie vom Rest der Republik halten. Sie wählen heute eine rechtspopulistische AfD, die in ihren Programmen nicht einmal versteckt, dass sie aus dem Euro und der EU austreten will. Sie wettern gegen Vielfalt und Ausländer, obwohl sie gar nicht wissen, wie es ist, in einer Stadt zu leben, in der fast 45 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben – so wie hier in Wuppertal. Sie lassen sich manipulieren und torpedieren den Zusammenhalt der Bundesrepublik, ganz im Sinne eines Putins oder Trumps. Ein starkes Europa ist diesen Mächten schließlich ein Dorn im Auge.

All das steht in den Programmen, all das wird auf den Kundgebungen offen ausgesprochen. Man muss es nur lesen oder hören wollen. Doch genau daran scheint es zu scheitern.

Vielleicht ist es deshalb gar nicht so schlecht, dass die AfD in Sachsen-Anhalt nun so stark abgeräumt hat. Jetzt sind wir an der Reihe: Wir sollten genau das einfordern, was versprochen wurde. Wenn der Sprit in Polen angeblich so viel billiger ist, dann lasst uns künftig in Sachsen-Anhalt tanken und den Liter für 1,50 Euro verlangen. Vielleicht sollten wir auch fordern, dass in den Krankenhäusern ausschließlich deutsche Ärzte operieren.

Es ist gut, dass sie jetzt liefern müssen. Sollen sie zeigen, was sie können. Und wir sollten ihnen ihre leeren Versprechungen genüsslich unter die Nase reiben, wenn sich zeigt, dass alles nur Lügen waren.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie lange das süße Lächeln des Spitzenkandidaten Sigemund noch anhält – und wann es der nackten, braunen Propaganda weicht.

Und euch, liebe Wähler in Sachsen-Anhalt, wünsche ich schon jetzt ein fulminantes Erwachen. Mit der Hand tief im sprichwörtlichen Nachttopf.



 

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